TYPO und Toluol – Tag 3 auf der TYPO

Leider habe ich heute den ersten Vortrag, den ich eigentlich hören wollte, aufgrund anderweitiger fotografischer Verpflichtungen verpasst. Alessio Leonardi hielt seine TYPO-Predigt. Ich habe nur noch den Schluss mitbekommen, als er die Heiligen der TYPO-Szene vorstellten (z.B. den Heiligen Enrico Spiekermann) und zum Kauf seiner Schriften und seines Buches aufforderte…

Qualitätsstand des GrafikdesignsRecht interessant war dann die zweite Lesung des Tages von Armin Vit, der über die enorme Bedutung von Blogs für den Dialog der Designer sprach (obwohl er ansonsten kein gutes Wort für Internet-Firmen übrig hatte). Er selbst betreibt das Blog „Speak up„, welches mir zwar bis dahin unbekannt war, aber wohl im amerikanischen Raum berühmt und wichtig ist.

Der Traum eines Designers muss es sein, für Papierhersteller zu arbeiten – maximale kreative Freiheit, Massen von erstklassigem Material und nicht nur die Möglichkeit, sonder der ausdrückliche Auftrag, so aufwändig wie möglich zu produzieren. Thilo v. Debschitz und Laurenz Nielbock präsentierten einige wirklich schicke und sehr lustige Arbeiten als Promomappen für Papierhersteller (z.B. das Angeber-Set für Designer…) Tja, da sind wir Webdesigner wohl etwas aussen vor…

Papier war auch das Thema von Michael Braungart, aber auf eine ganz andere Weise betrachtet. Er warf den anwesenden Designern zunächst vor, nur Sondermüll zu produzieren und „dummes Design“ zu produzieren. Dann breitete er seine Idee eines „Total beauty design“ aus, nach dem alle Dinge so gestaltet sein müsssen, dass sie nicht etwa „weniger Umweltbelastung“, sondern „mehr Umweltbereicherung“ verursachen. Beispiel: Eine von ihm prodzierte Verpackung von Eis löst sich nicht nur rückstandsfrei auf, sondern ist mit den Samen von seltenen Pflanzen versetzt und bereichert so die Artenvielfalt! Von ihm entworfene Sitzbezüge für Flugzeuge sind so produziert, dass man sie auch essen könnte… Und ihre Herstellung ist billiger als die der alten Materialien, weil bei diesen der Verschnitt (!) als Sondermüll entsorgt werden musste!! Bücher sollten nicht auf Papier gedruckt werden (eine Entwürdigung für einen Baum), sondern auf Kunststoffen, die abgewaschen und wiederbedruckt werden können – mit Druckfarben, die nach dem Abwaschen wieder als Druckfarben verwendet werden können.

Im Abendprogramm kommt jetzt noch der TYPOblues mit Erik Spiekermann, der im diesem Jahr die TYPO zum letzten Mal moderieren wird (dafür hat er versprochen, beim nächsten Mal als Referent dabei zu sein) und die TYPOnight – von beiden werde ich dann aber eher morgen berichten…

[Update] Die TypoNight habe ich mir dann geschenkt, weil ich nicht gesundheitlich ganz auf der Höhe war, aber den letzten Vortrag zur Zukunft der Schrift muss ich noch kurz ansprechen: inhaltlich höchst spannend, eine perfekt vorbereitete Präsentation und souverän vorgetragen. Einer der interessantesten Beiträge der Konferenz – hatte ich so vorher überhaupt nicht erwartet! Markus Hanser hat weniger einen Blick in die Zukunft der Schrift, sondern viel mehr in die (vielen möglichen) Zukünfte der Menschheit geworfen – ich hoffe, es wird auch noch einen Reader zur Konferenz geben, damit ich das Ganze noch einmal nachlesen kann..

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