Konferenzbericht ‚Barrierefreies E-Government‘

Gestern fand der 5. Webkongress zum Thema Barrierefreies E-Government in Darmstand statt, auf dem ich auch referiert habe. Hier mein Report:

Den Auftakt der Veranstaltung lieferte Markus Erle von Wertewerk, der über Barrierefreie Informationsarchitektur sprach. Sein Credo war, dass für einen guten barrierefreien Auftritt die Anforderungen bereits in der Konzeptionsphase berücksichtigt werden sollten – nachträgliche Beabeitung ist immer aufwändig und teuer. Im Laufe des Vortrages zeigte er verschiedene Tools für den Informationsarchitekten, wie klickbare Mindmaps und das „gute alte Excel“ und stellte diverse Methoden an einem Praxisbeispiel aus seiner Agentur vor, u.a. die Honigwabentechnik von Peter Morville.

Danach war Jan Eric Hellbusch an der Reihe mit einem Vortrag über Fehlervermeidung bei der Umsetzung der Barrierefreiheit. Er erörterte die Frage, was Qualität im Sinne der Barrierefreiheit sei, welche Fehler bei der Umsetzung auftreten können, welche Folgen sie haben und wie man sie vermeiden kann. Welche Folgen mangelnde Qualitätssicherung haben kann, zeigte sich auch während seiner Präsentation, die durch Abstürze des Programmes MSPaint mehrfach gestört wurde.

Überhaupt – die Technik meinte es nicht gut mit uns an diesem Tag. Auch der dritte Vortrag von Henrik Tonn-Eichstädt und Anna Courtpozanis wurde von versagender Technik arg in Mitleidenschaft gezogen. Dabei war das Thema sehr interessant: Anhand eines Praxisstudie mit über 300 blinden und sehbehinderten Nutzern solten die realen Problem bei der Nutzung von Websites gezeigt werden. Frau Courtpozanis sollte dann dies live an Screenreader demonstrieren, was aber mangels Kooperationsbereitschaft des selbigen ausfiel. Das illustrierte unfreiwillig auch eine der Beobachtungen der Studie, nach der 40% der Befragten nicht mit der aktuellsten Version ihres Screenreaders arbeiten – u.a. auch aus berechtigtem Mißtrauen gegenüber der Mühe und den Risiken, die ein Softwareupdate mit sich bringt (immer wieder weise: „never change a running system“).

Vor der Mittagspause war ich dann an der Reihe – ich spare mir hier die Inhaltsangabe zu meinem Vortrag Barrierefreieheit und Karrierefrauen und verweise auf die Präsentationsunterlagen, die unter http://www.sunbeam-berlin.de/egov06 abrufbar sind. Da wir schon um einiges im Rückstand gegenüber dem Zeitplan waren, fiel die Fragerunde zu meinem Vortrag leider komplett aus – schade.

Nach dem Mittagessen fanden parallel zwei Workshopreihen statt und die Teilnehmer mussten sich entscheiden, entweder Chris Heilmann über Hijax (schrittweise Verbesserung von Webseiten mit AJAX) zu folgen, oder sich zunächst von Brigitte Luckardt und Anna Courtpozanis über das Testen von Websites informieren zu lassen und danach Markus Erle über Mythen Barrierefreier PDFs zuzuhören.

Ich war bei Chris Heilmann, der sehr verständlich und nett illustriert über die Möglichkeiten sprach, mit Hilfe von AJAX Webseiten zu verbessern, ohne die Barrierefreiheit zu opfern. Der Vortrag war informativ und mit interessanten Beispielen gespickt, allerdings hätte ich mir doch etwas mehr „Workshop“-Charakter erhofft.

Im letzten Abschnitt des Tages stellte Prof. Bühler vom „Aktionsbündnis für barrierefreie Informationstechnik“ (AbI) das jüngst gestartete DIN-Zertifikat für Barrierefreie Websites vor und erläuterte Geschichte, Ziele und Methoden der Zertifikatsentwicklung. Er nannte auch (unverbindliche) Zahlen. Nach seinen Angaben kämen für die Zertifizierung Kosten in Höhe von ca. 3.000 – knapp 5.000 EUR in Frage, je nachdem ob ein oder zwei „Sterne“ angepeilt werden (drei sind maximal möglich). Dies bei einer eher einfacheren Website für die einmalige Prüfung. Da das Zertfikat allerdings jährlich überprüft werden muss, um gültig zu sein, wird es dabei nicht bleiben. Die Kosten waren dann auch Anlaß für Kritik aus dem Publikum, der Prof. Bühlermitr der Aussage entgegnete, dass ja niemand zur Zertifizierung gezwungen werde. Die Kriterien seien öffentlich und jeder könne anhand der Kritreien sich auch selbst prüfen oder andere, preiswertete Prüfverfahren nutzen (z.B. den BITV-Test von BIK).

Als letzter sprach Rainer Schlegel über Barrierefreie Auftritte mit Open Source-Lösungen. Er stellte einige grundsätzliche Anforderungen an CMS auf und nannte die bekannten Namen (Papoo, TYPO3, Drupal, Joomla, …). Mit den meisten der üblichen OS-CMS lassen sich – mit mehr oder weniger aufwändiger Nachkonfiguration – barrierefreie Webauftritte erstellen. Allerdings ließ auch er sich nicht zu einer konkreten Empfehlung bewegen, da es kein System gebe, welches „aus der Verpackung“ Barrierefreiehit liefere und für alle Situationen geeignet sei. Ohnehin komme es letztlich nicht (nur) auf die Technik an, sondern auf die Kompetenz des Redakteurs, die kein CMS ersetzen kann. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

Alles in allem war es aus meienr Sicht eine recht abwechslungsreiche Veranstaltung, die nur ein wenig stark unter technischen Problemen litt.Ich war recht froh, dass ich meine Screenreader-Beispiele vorab aufgenommen hatte und als MP3 abspielen konnte (Goldene Regel für Präsentationen: Niemals etwas live zeigen, was man auch simulieren kann…).

Ein paar von mir aufgenommene Bilder gibt es bei flickr.

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