Früher war alles besser

Schon seit  Jahren bin ich großer Fan der kleinen Sony Vaio-Notebooks. Nachdem mein letztes Notebook langsam nicht mehr mit moderner Software mithalten kann (512 MB RAM…) habe ich vor einiger Zeit das Sony Vaio P11z entdeckt: Winzig klein und federleicht (650g) und mit allem ausgestattet, was das Herz des mobilen Nomaden begehrt – GPS, UMTS (natürlich WLAN), Kamera, SD-Slot…

Erschienen Anfang des Jahres hat sich der Preis nach ein paar Monaten halbiert und liegt jetzt auf mittlerem Netbook-Niveau (um die 500 €). Da konnte ich dann nicht mehr warten und habe mir das Gerät bestellt. Der erste Endruck der Hardware war auch entsprechend überzeugend: hochwertige Haptik und wirklich handlich – zur Not passt es auch in die Tasche einer Jeans (nicht hinsetzen). Die Tastatur ist angenehm groß und der extrem hochauflösende Bildschirm (1600×768) ist gestochen scharf. Da ich ja weiss, wie man die Schrifteinstellungen eines Betriebssystems ändert (die Beschäftigung mit Barrierefreiheit bietet manchmal ungeahnte Zusatzvorteile), stört mich die Kleinteiligkeit nicht.

Kommen wir zur Software (dramatische Pause von mindestens 5 Sekunden). Sony hat dem Vaio einen "Instant On"-Modus spendiert – ein Mini-Linux, mit dem man Musik hören, Bilder und Videos ansehen und sogar surfen oder skypen kann. Das ist eine nützliche Sache – wie nützlich, merkt man, wenn man das erste Mal das Hauptbetriebssystem startet. Windows Vista.

Mir ist wirklich unklar, wie Sony eine derartig unpassende Kombination von Hard- und Software auf seine Kunden loslassen kann. Die Arbeit mit dem V11z unter Vista verleiht dem Wort "langsam" eine völlig neue Dimension.

Nach dem ersten Start (gefühlte 2 Stunden, tatsächlich knapp 4 Minuten) fängt das System erst einmal an, Updates herunterzuladen und zu installieren (das hat dann tatsächlich 2 Stunden gedauert). Wie lange die Medien-Software braucht, (noch nicht vorhandene) Multimedia-Inhalte zu indexieren weiss ich nicht – meine Geduld reichte nicht aus, bis zum Ende zu warten.

Selbst nach den Abschalten aller Vista-typischen Spielereien ist mit dem System nicht zu arbeiten. Sony stellt zwar ein "kostenloses" (sprich: 25 €) Upgrade auch Windows 7 zur Verfügung. Die angekündigte Wartezeit beträgt allerdings 3 Wochen, so lange wollte ich nicht warten. Also Downgrade auf Windows XP.

Glücklicherweise gibt es viele Leidensgenossen, so dass ich den etwas sperrigen Prozess nach Anleitung statt im "Trial-an-Error"-Verfahren durchführen konnte. Am meisten haben mir dabei das Blog von "dasI" und das Vaio-Forum geholfen:

Mit den dort genannten Verfahren und Treibern konnte ich mein V11 auf Windows XP downgraden und siehe da – es geht. Mit einem passenden Betriebssystem läuft das Kleine richtig schnell und es lassen sich auch alle Vaio-spezifischen Funktionen nutzen.

Zwei Dinge stören den ansonsten guten Gesamteindruck doch noch ein wenig: Der Standardakku ist einfach zu klein – die Laufzeit von 2-2,5 h im Normalbetrieb ist er für ein "Immer-dabei"-Gerät einfach zu kurz. Ich werde mir also den zusätzlichen Langzeitakku besorgen. Damit soll das Gerät auf eine Laufzeit von ca. 4 h kommen (und wiegt 100g mehr).

Das eingebaute GPS wird nur unzureichend unterstützt – es gibt keine Navigationssoftware, sondern nur eine Google-Toolbar mit Standortfunktion, die als Betaversion auch nur im Internet Explorer funktioniert. Da geht mehr… 

Zum Anschluss noch zwei Tipps für Laptopbesitzer in Sachen Katastrophenschutz (nachdem meiner Freundin im Krankenhasu(!) der Laptop gestohlen wurde):

  1. Truecrypt verschlüsselt die Festplatte (komplett oder nur einen Container) so dass wenigstens keine vertraulichen Daten in die Händer der Diebe fallen
  2. Das Preyproject bietet eine kostenfreie Möglichkeit, einen gestohlenen Laptop wieder aufzuspüren. Einmal registriert, kann man im Diebstahlsfall eine Software aktivieren, die die IP-Adresse der Internet-Verbindung überträgt (und bei MacBooks auch ein Bild über die integrierte Webcam).

3 Gedanken zu „Früher war alles besser

  1. Der Grund, weswegen das Ding mit Vista daherkommt liegt in der Lizenzpolitik von Microsoft begründet. Da kann Sony nur indirekt was für. XP ist ja eigentlich tot und wird unmittelbar vorinstalliert und dann ganz billig (rund € 10,-) nur noch für Netbooks geliefert (Windows XP ULCPC-Lizenz). Dazu müssen die Netbooks aber gewisse Hardware-Limits einhalten, unter anderem dürfen sie nur 1GB RAM besitzen.

    Du hättest Windows 7 auch als ISO-Abbild herunterladen und ohne Seriennummer installieren/upgraden können, dann hättest Du es immerhin 30 (Test-)Tage legal nutzen können – genug Zeit bis die Lizenz da gewesen wäre, die Du dann nachgetragen hättest.

    Dennoch: macht bestimmt saumäßig Spaß das Vaio! Cooles Teil, viel Spaß damit!

  2. Ja, ich habe das dann auch gehört. Aus Käufersicht ist es trotzdem unverständlich – was interessiert mich die obskure Lizenzpolitik von Mikrosoft. Mutig wäre es von Sony gewesen, dann gleich ganz auf Windows zu verzichten (naja, der Instant-On-Modus ist vielleicht das, was ein Konzern wie Sony da maximal machen kann).

    Das mit dem Windows-ISO habe ich mir auch überlegt – mache ich vielleicht noch. Aber momentan bin ich mit XP recht glücklich. Einzig die Schriftskalierung ist etwas schlampig umgesetzt und wirkt leider nicht immer (was aber auch an den Applikationsentwicklern liegen kann).

    Ansonsten ist das Gerät wirklich klasse.

  3. War nach Deinem Hinweis auch schon drauf und dran, es zu kaufen *fingerkribbel*. Aber ich bin jetzt erstmal im Urlaub und schau danach mal.

    Apropos „auf Windows verzichten“: Könntest ja spaßeshalber OS X draufschmeissen mit Hilfe dieses Bootloaders: http://chameleon.osx86.hu/
    Anmerkung dazu: http://www.golem.de/0911/70895.html

    Allerdings weiß ich nicht, ob man in OS X die DPI-Zahl global im System anpassen kann. Den Menüpunkt konnte ich nie finden.

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