Arequipa – Colca Canyon – Arequipa

Die Oberschenkel und Wadenmuskeln schmerzen noch immer.

Kike hat uns auch wieder zum Flughafen von Lima gebracht und wird uns in rund einem Monat hoffentlich auch wieder dort abholen. Wir haben unsere Camping- und Schnorchelausrüstung bei ihm gelassen um ein bisschen leichter reisen zu können und weil wir die erst später auf unserer Tour brauchen werden.

Unsere Reise ging dann weiter nach Arequipa, die „weisse Stadt“, was sich auf die schönen alten Bauten im Zentrum bezieht. Arequipa ist mit etwas über 1 Mio Einwohner, die zweitgrößte Stadt Perus und liegt auf 2350 m Höhe. Hier hat uns strahlendblauer Himmel erwartet und ca. 22 Grad. Der Flughafen von Arequipa ist ganz klein, man läuft über das Rollfeld, ringsherum gibt es Berge und Vulkane. Einige mit einem Schneehütchen, aber alle sehr karg. Es gibt kaum Bäume oder sonstiges grün.

Was jeden Reisenden hier völlig paranoid macht, sind die ständigen Sicherheitswarnungen, auch wenn sie ihren Sinn haben werden, verunsichern sie einen dermaßen, dass man bei jeder Begegnung mit den Peruanern mit dem Schlimmsten rechnet und sich kaum noch normal verhält. Das waren die Tipps der Touristeninformation am Flughafen: Man sollte möglichst nicht zu Fuss durch die Stadt laufen, sondern sich lieber ein Taxi nehmen, aber auf gar keinen Falle irgendein Taxi von der Straße, sondern immer eines durch das Hostel rufen lassen. Wenn man angerempelt oder beschmutzt wird, soll man jegliche Hilfe ignorieren, man sollte nur mit bestimmten Bussen fahren, weil sonst das Gepäck nicht mit ankommt, etc.

Wir sind natürlich doch zu Fuss durch die Innenstadt gegangen, es ist lächerlich sich für ein paar Straßenblöcke ein Taxi zu rufen. Wir wohnen direkt in der Altstadt und es fühlt sich total sicher an. Hier sind so viele Menschen unterwegs. Wir sind wachsam.

Im Moment sitze ich auf der Dachterrasse direkt vor unserer Zimmertür des Wayra River Hostels. Die Morgensonne im Rücken, die schneebedeckten Berge zur Rechten und das hektische Treiben der Stadt unter mir.

Nachdem wir hier vor 4 Tagen Nachmittags angekommen sind, haben wir kurz entschlossen unsere Trekkingtour in den Colca Canyon für den nächsten Tag gebucht. Und das war wirklich ein Glücksgriff.

Ausser uns war nur noch ein junges dänisches Pärchen (Amanda und Morten) dabei, unser Guide Pepe und unser Fahrer Fernando. Alle waren super nett und die Unterhaltung klappte recht gut in Englisch mit ein paar Brocken Spanisch.

Auf dem Weg zum Colca Canyon machten wir einige Stopps zur Höhen-Akklimatisierung. Wir stoppten natürlich wann immer wir Lamas oder Alpacas sahen und zum Coca-Tee trinken. Mate de Coca gibt es hier überall, genauso wie die Coca-Blätter, die man hier kaut um der Höhenkrankheit vorzubeugen. Auf dem Höchsten Punkt bei 4910 m war uns trotzdem allen ganz schön schwindelig als wir aus dem Auto ausstiegen, wir hatten alle leichte Kopfschmerzen und wurden ziemlich langsam im Denken.

Von dort aus ging es dann auch bald wieder runter auf ca. 3100 m in ein Bergdorf namens Cabanaconde. Buntes Treiben im wahrsten Sinne des Wortes. Die Straßen sind voll mit farbenfroh gekleideten Menschen – ein wunderschönes Bild.

Nach unserem Mittagessen in einem Restaurant hier ging es dann endlich los. Wir schnürten unsere Wanderschuhe fester, schnappten uns unsere Rucksäcke und sagten Fernando ade und machten uns an unseren 3-stündigen Abstieg in den Canyon. Unterbrochen wurde die Wanderung ab und zu von Pepes Erzählungen über Land und Leute. Der Weg war steil und unwegsam, mal Geröll, mal Sand, mal hohe Stufen in den Felsen. Ab uns an kamen uns einheimische Wanderer in ihren schönen Gewändern entgegen, egal in welchem Alter, sie waren alle extrem fit. Und Pepe kannte sie alle, und stoppte immer für einen kurzen Plausch. Drei Stunden bergab laufen gehen kann schön in die Knie und wir erreichten das Dorf im Tal des Canyons mit zittrigen Beinen. Leider war es schon so dunkel als wir durch dieses kleine Stück Paradies liefen, dass wir vieles nur erahnen konnten. Hier gab es plötzlich saftiges Grün! Nachdem wir den Fluss über eine Hängebrücke überquert hatten liefen wir wieder kurz bergauf und dann   noch ca. 20 Minuten durch Obstplantagen und Felder und Weideland. Es war wunderschön. Die Menschen haben hier alles was sie zum Leben brauchen in ihren eigenen Gärten.

Ein Stückchen weiter durch die Dunkelheit und wir erreichten eine extra für die Touristen angelegte Siedlung. Das fühlte sich schon ein wenig merkwürdig an, aber das ist hier die einzige Möglichkeit für die Menschen etwas Geld zu verdienen. Die Häusern waren sehr schlicht gebaut, aber in unseren Augen auch sehr romantisch und wir schliefen extrem gut in den harten Betten.

Am nächsten Morgen ging es um 8:00 Uhr nach unserem Frühstück weiter. Wir wanderten ca. 3 Stunden ohne viel Auf und Ab durch weitere Dörfer in dem Tal und Pepe erzählte uns Vieren viel über das Leben der Menschen hier. Dadurch dass wir mit ihm unterwegs waren, kamen wir uns auch nicht ganz so wie Eindringlinge vor, da er immer mal wieder mit jemandem schnackte den wir in den Straßen trafen.

Wir besuchten die einzige Krankenstation, die es für das weitreichende Gebiet dort gibt und Pepe bat uns darüber zu berichten, wie dringend diese Menschen hier eine bessere medizinische Versorgung und mehr Ärzte bräuchten. Zwischen den einzelnen Dörfern liegen mehrere Stunden Fußweg und wenn der Doktor unterwegs ist müssen alle anderen Patienten warten.

Die Wanderung in dieser Region war nicht sehr anstrengend obwohl es schon morgens um 8:00 Uhr brütend heiß in der Sonne war. Nach einer weiteren Überquerung des Flusses und einem kleinen Aufstieg zurück auf 2100 m erreichten wir gegen Mittag die Oase Paraiso, eine für den Tourismus errichtete Ansammlung von Swimmingpools in mitten schöner Gärten mit riesigen bunten Blumen und vielen kleinen Holzhäuschen als Unterkünfte und Gemeinschaftsräume. Was für ein krasser Gegensatz zu den vielen alten Häusern mit den Wellblechdächern in den grauen staubigen Dörfern und den 3 Schweinen, die in ihrem halbverfallenen Stall vor dem Eingang zur Oase in der Mittagshitze schlafen.

Das fühlte sich alles sehr unwirklich und auch nicht richtig an! Trotzdem habe ich den Aufenthalt dort genossen, bin in den Pool gesprungen, habe die müden Knochen auf einer Liege im Schatten ausgestreckt und wäre auch gerne noch länger geblieben in dieser Kulisse mit den aufragenden Felsen des Canyons ringsherum.

Aber genau die mussten wir auch wieder hoch! Pepe meinte der Aufstieg dauert 3 Stunden und versuchte uns immer wieder das Mieten eines Maultieres schmackhaft zu machen, das uns hoch tragen sollte. Aber wir wollten es uns beweisen und ja es war hart, aber wir haben es geschafft und auch tatsächlich in den von ihm genannten 3 Stunden. Wir sind dabei aber auch wirklich an die Grenzen unserer Kräfte gekommen und sind gerade noch im letzten Dämmerlicht oben angekommen. Mehr Pausen, die ich gerne gehabt hätte, wären schon alleine deswegen nicht möglich gewesen. Aber es war fantastisch schön! Ich habe es besonders genossen das wir so eine kleine Gruppe waren und wir so auch oft lange ganz alleine waren. Amanda und Morton hatten einen ziemlich großen Vorsprung und Pepe haben wir auch nur alle halbe Stunde mal von irgendwo winken gesehen.

Die letzten 20 Minuten waren wirklich die schlimmsten. Wir waren nach 2,5 Stunden bergauf laufen so ziemlich am Ende unserer Kräfte, die Luft wurde immer dünner wir waren schon wieder auf 3100 m Höhe, die Stufen in den Felsen wurden scheinbar immer höher und es wurde extrem schnell dunkel, so dass wir uns gar nicht sicher waren ob wir es noch schaffen. Aber die Freude und der Jubel war dafür umso größer, als wir endlich wieder oben waren.

Nach einer kurzen Erholungspause folgte dann noch eine 15-minütige Nachtwanderung über die Felder bis zurück nach Cabanaconde, wo wir in dem Hotel einkehrten, in dem wir am ersten Tag zu Mittag gegessen hatten. Es war so gegen 19:00 Uhr und die Straßen waren wieder voller bunt gekleideter Menschen und bellernder Hunde.

Heiße Dusche, frische Klamotten und Abendessen. Irgendwie hatte, trotz all der Anstrengung, außer Pepe und Fernando niemand richtig Appetit. Die Höhe machte uns wohl allen etwas zuschaffen und Morton hatte die typische Touristenkrankheit mit Übelkeit und Durchfall erwischt. Wir wollten alle nur noch schlafen.

Gegen 5:00 Uhr wurden wir wieder von dem typischen lauten Treiben in den Straßen geweckt und nach einem guten Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Cruz de Condor. Der Colca Canyon ist ja dafür bekannt, dass hier so viele Kondore leben. Auf dem Abschnitt auf dem wir gewandert sind haben wir keine gesehen, aber dafür sehr viele auf der Weiterfahrt. Wirklich sehr beeindruckend wie diese Riesen durch die Lüfte gleiten.

Am Cruz de Condor, der eigentlichen Attraktion, saßen wir dann zwischen Mengen von Touristen, die da reisebusweise angekarrt werden. Interessanterweise haben wir genau dort keinen Kondor mehr gesehen. Die Leute die eine Tagestour dorthin gemacht haben waren entsprechned enttäuscht.

Danach gab es eine touristische Attraktion nach der Anderen. Das war ok, wir hätten da aber auch gerne drauf verzichtet. Ich habe zum Beispiel ein Baby-Alpaka geknuddelt, oh das war so niedlich!

Dann gab es noch einen Badestopp bei warmen Quellen (Hot Springs) und einen Stopp an einem Restaurant mit super Buffet, wo auch alle Touristenbusse anhielten. War wie gesagt ok, aber die Stopps wo wir alleine waren fand ich wesentlich netter.

Jetzt sind wir wieder zurück in Arequipa und haben noch einen vollen Tag in der „Weissen Stadt“, bevor es dann weiter geht nach Puno.

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