Unter Condorn: Wandern im Colca-Canyon

Um 6:45 Uhr ging sie los, unsere erste Trekking-Tour. Zumindest theoretisch. Tatsächlich klingelte Pepe, unser Tourguide so gegen 7:30 Uhr, als wir langsam anfingen, uns ersthaft zu überlegen, was wohl schief gelaufen sein könnte. Aber nun war er da und ein dänisches Pärchen, das mit uns und Fernendo, dem Fahrer, die gesamte Reisegruppe bildete. Wir wollten drei Tage im Colca Canyon, dem (vermutlich) tiefsten Canyon der Welt (tiefer als der Grand Canyon) wandern. Da wir uns ja in den Anden befinden bedeutet „tiefer“ im übrigen, dass der tiefste Punkt, den wir erwandert haben, immer noch ca. 2.000 m über Null liegt. Womit wir beim Thema „Höhe“ wären. Arequipa liegt auf etwa 2.300 Metern und der Start- und Zielpunkt unserer Wanderung bei ca. 3.000 m. Auf dem Weg dahin mussten wir eine Pass überqueren, der knapp 5.000 m hoch liegt. Vorher konnte ich mir nicht so recht vorstellen, was die Höhe tatsächlich ausmacht, aber schon nach zwei, drei schnellen Schritten musste ich hier nach Luft schnappend stehen bleiben.

Um den Auswirkungen der Höhe zu begegnen werden zwei Maßnahmen empfohlen: Coca-Mate-Tee trinken und Coca-Blätter kauen. In Deutschland (und ich glaube so ziemlich überall außerhalb Perus) illegal, sind sie hier allgegenwärtig. Man muss die getrocknetten Blätter gut zerkauen und dann so ca. eine halbe Stunde in der Backe behalten. Besonders schmecken tut es nicht, aber als erster Effekt zeigt sich eine Art lokale Betäubung des entsprechenden Mundwinkels. Was es außerdem noch bewirkt lässt sich nicht so eindeutig sagen – schließlich weiss ich nicht, wie es mir ohne Coca ergangen wäre. Ich hatte aber den Eindruck, dass es tatsächlich eine „Unwohlsein-lindernde“ und allgemein erfrischende Wirkung hat.

Der erste Teil des Colca-Treks führte uns in etwa drei Stunden auf gewundenen Wegen abwärts nach San Juan de Chuccho wo wir die Nacht bei einer ortsansässigen Familien verbrachten. Das hört sich  jetzt etwas familiärer an, als es tatsächlich war, denn die Familien betreibt eine Art Campingplatz/Herberge und außer uns waren noch eine weitere Gruppe und ein paar Einzelwanderer dort. Trotzden war es ein sehr angenehmer Ort und in dem einfachen Zimmer habeich ausgezeichnet geschlafen. Nach dem Frühstück ging es um 8 Uhr weiter, wobei die Sonne hier immer so gegen 4 Uhr aufgeht. Beim Aufbruch dachte ich kurz „Was für ein Irrsinn, in der Mittagshitze aufzubrechen…“. Erst ein Blick auf die Uhr überzeugte mich, dass es tatsächlich noch früh am Morgen war. Glücklicherweise begannen wir nicht sofort den Aufstieg, sondern besuchten erst einmal die „Oase“ Sangallle einen grünen Flecken in der ansonsten doch ziemlich staubigen Gegend. Im Coca Canyon gibt es .. Dörfer, von denen einige Wasserquellen haben und dadurch recht viel anbauen können und andere, die dies Glück nicht haben. Auch die ärztliche Versorgung ist alles andere als ideal – für alle Dörfer steht nur ein Arzt zur Verfügung (derletzte hatte außerdem gerade gekündigt) und die medizinische Station verdient kaum diesen Namen.

Dagegen wirkte die Oase, eine Ansammlung von Lodges mit jeweils eigenem Pool und Hängematten unter Palmen ziemlich fehl am Platze. Trotzdem war es sehr angenehm hier noch einmal zu entspannen. Leider konnten wir uns nur etwa zwei Stunden aufhalten, da ja noch der Aufstieg bevor stand. Pepe versuchte uns die ganze Zeit, das Mieten von Eseln für den Aufstieg schmackhaft zu machen, da er „uns nicht leiden shen wolle“. Letztlich haben wir uns alle für den AUfstieg mit eigene Füßen entschieden. Andrea und ich, weil wir es als Generalprobe für Machu Piccu betrachtet haben. Amanda und MOrten fanden wohl den Gendanken an den Aufstieg auf einem schwankenden Esel noch schrecklicher als den Gedanken an den Fußweg. Und wenn ich an einige der Stellen denke, die wir passieren mussten, ist der Aufstieg per Esel wohl auch ein eigene Herausforderung…

Wir haben uns dann also gegen 3 Uhr auf den Weg gemacht und tatsächlich die 1000 m in engen Zick-Zack-Pfaden erklommen. Während ich am Anfang nochn gehofft hatte, die Warnungen vor der Anstrengung wären etwas übertrieben gewesen, musste ich doch festtellen, dass dem nicht so war. Die letzten 20 Minuten gingen bei mir wirklich ans Eingemachte und wir haben den Gipfel dann auch gerade ncoh rechtzeitig vor Einbruch der Dämmerung erreicht. Zurück nach Cabanacolca ging es dann im Dunkeln – gut dass wir unsere Kopflampen dabei hatten.

Dort herrschte inzwischein ein reges Treiben – mich interessierte das alledings nicht mehr so sehr wie eine heisse Dusche und das Bett. Am nächsten Morgen fühlte ich mich nicht besonders – Anstrengung in der ungewohnten Höhe hatte ihre Spuren hinterlassen. Noch schlimmer erging es allerdings Morten, den offenbar die typische Touristenkrankheit (ihr wisst schon) erwischt hatte.

Trotzdem mussten wir zurück und es stand ja auch noch das berühmte „Cruz el Condor“ auf dem Programm, ein Aussichtpunkt, an dem es nur so wimmeln solle vor Condoren. Naja, gewimmelt hat es da schon – allerdings ausschließlich von Touristen. Keineinzelner Condor am Himmel- nichts, njiente, nothing… Wir hatten wirklich Glück, dass wir ein halbe Stunde vor dem Cruz doch bereits Condoren begegnet sind un diese majestätischen Vögel eine Weile beobachten konnten.

Den Rest der Tages haben wir dann eher die üblichen Touristenstationen abgeklappert, eine (ziemlich überfüllte) heiße Quelle besucht und den „riesigen“ Lunch eingenommen. Der war tatsächlich sehr umfangreich und sah auch ziemlich lecker aus aber leider waren wir alle mehr oder weniger von Anstrengung, Durchfall oder Höhe gezeichnet, so dass niemand so recht Appetit hatte… That’s life.

Trotzdem war es eine tolle Tour und wir sind sehr froh, uns für Landadventures entschieden zu haben. Die Gruppe war angenehm klein, unser Guide Pepe wartoll und nicht zuletzt ist auch der Startzeitpunkt 7 Uhr sehr angenehm – die meisten anderen Agenturen starten bereits um 3-4… Nicht überprüfen können wir die Aussage, dass Landandventures den Bauern für die Unterbringung der Touristen auch mehr zahlt als billigere Anbieter. Wir hatten aber schon den Eindruck, dass sie den „responsible tourismn“ auch Ernst nehmen.

Den nächsten Tag haben wir dann auch noch in Arequipa verbracht, aber uns etwas Zeit zur Erhohlung genommen und daher außer einem kleinen Stadtrundgang nicht viel unternommen. Heute sind wir dann von Arequipa nach Puno gefahren werden morgen den Titicacasee erkunden.

Falls in diesem Post ziemlich viele Tippfehler zu finden sind, liegt das im übrigen nicht an der dünnen Luft oder den übermäßigem Konsum von ortsüblichen Drogen, sondern daran, dass ich ihn größtenteils im Bus geschrieben habe. Der Bus ist nämlich nicht nur äußerst bequem, sondern auch mit allerlei Luxus wie Verpflegung und Wifi (!) ausgestattet. Ja, richtig gelesen, in unserem Bus der Gesellschaft Cruz del Sur steht ein kostenloser Internetzugang zur Verfügung. Dabei haben wir für diese fahrt sogar nur die niedrigste von drei Klassen gebucht. In einem der nächsten Postings schreibe ich etwas mehr zu den Bussen – von Puno nach Cusco haben wir die höchste Klasse…

2 Gedanken zu „Unter Condorn: Wandern im Colca-Canyon

  1. Toll alles beschrieben und als Morgenlektüre tut echt gut 🙂 Weiter so! Liebe Grüße und Freue mich schon auf die nächste Berichte!! Anna

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