Weihnachten im Dschungel

Um die Weihnachtstage sind wir wieder in den Regenwald zurück gekehrt – diesmal in Ecuador. Um den Fluss Napo erstreckt sich der Yasuni Nationalpark, in dem die Anangu Quichua Community lebt. Vorausschauende Mitglieder der Gemeinschaft haben früh erkannt, dass sie ihren Lebensraum und ihre Lebensweise auf Dauer am besten durch eine nachhaltige Nutzung ihres Waldgebietes sichern können. Aus diesem Grund haben sie zunächst einige Hütten für Touristen erbaut, die 2000 ausgebaut und in ein ziemlich luxuriöses Eco-Ressort verwandelt wurden – das Napo Wildlife Center. Hier haben wir vier Tage (eigentlich sind es nur zwei komplette Tage – An- und Abreise werden mitgezählt, obwohl sie höchstens halbe Tage sind.

Dafür dauert die Anreise nicht so lange wie nach Manu – von der Stadt Coca aus geht es mit dem Motorkanu 2 Stunden den Rio Napo entlang. Dann werden wir – 20 Reisende – in kleinere Gruppen aufgeteilt und es geht mit Paddelkraft weiter. In unserer sind eine kanadische Schauspieler/Regisseursfamilie und ein Niederländisch-afrikanisches Paar. Die Lodge selbst ist am Ufer eines kleinen Sees angelegt, der durch einen Kanal vom Napo aus erreichbar ist. Wir erreichen die Lodge erst am späten Nachmittag, so dass keine Zeit für weitere Aktivitäten bleibt. Wir beziehen unsere sehr schönen "Hütten" und nach dem Dinner geht es auch bals ins Bett. Am nächsten Tag ist Vogelbeobachtung angesagt – dazu machen wir uns auf den Weg zu einem über 40m hohen Beobachtungsturm. Zunächst wieder mit dem Kanu, dann zu Fuß. das Wetter ist eher schlecht – unser Guide Oskar meint aber, dass wäre ideal zur Vogelbeobachtung… Nachdem uns der Tower als das Nonplusultra der Vogelbeobachtung angepriesen wurde bin ich doch ein klein wenig enttäuscht, dass die Vögel, die wir zu Gesicht bekommen allle so weit entfernt sind, dass sie nur mit dem extrem starken Teleskop der Guides gut zu beobachten sind. Gute Fotos – Fehlanzeige. Nach einigen Stunden beginnt es auch stark zu regnen und wir kehren zur Lodge zurück. Die geplante nächtliche Krokodilsuche fällt leider auch dem Wetter zum Opfer. Dafür soll es am nächsten Tag zu nicht nur zu einem, sondern sogar zwei Claylicks gehen. Wir kennen das Prinzip ja schon von Manu, sind aber trotzdem gespannt. Auch steht ein Besuch bei der Anangu Quichua Community auf dem Programm. 

Vorher ist jedoch erst einmal Heiligabend. Um dies gebührend zu würdigen, haben die Köche tief in die Rezeptkiste gegriffen und ein fantastischen Buffet aufgetischt – inklusive komplettem Schwein und Truthahn. Das Essen ist lustig – nicht nur Dank der von Management verteilten Weihnachstmützen die alle tragen müssen. Wir kommen mit unseren Mitreisenden gut ins Gespräch und unser Guide Oskar sorgt für Erheiterung, als er – unter den leicht entsetzten Blicken aller Anwesenden – den privat bestellten (und bezahlkten) Sekt der Kanadier an sich nimmt und allen am Tisch fröhlich einschenkt. Peinlich, peinlich…

Das Wetter ist inzwischen wieder super (wichtig, damit sich überhaupt Papageien zeigen) und wir erreichen nach einer Anreise mit den Kanus (erst Handpaddel, dann Motor) den ersten Claylick. Hier sieht es ähnlich aus wie in Manu: an einer senkrechten Wand tummeln sich zwei Arten von Papageien in Schaaren und essen den Ton. Genug Zeit für Fotos und wir sind auch etwas näher am Geschehen als in Manu. 

Nach einer Weile wechseln wir in eine nachgebaute Hütte der Dorfbewohner – einen echten Besuch gibt es doch nicht und erhalten dort eine Präsentation verschiedener Kochtechniken, einger Tänze und des Einsatzes des medizinamnns. Bei mir hinterlässt der Besuch gemischte Gefühle. Voiel zu schnell und routiniert wird das Programm abgespult um wirklcih einen Eindruck von der Kultur der Community zu bekommen. Bevor den nächste Programmpunkt (Besuch des Souveniershops) abgehakt werden kann gibt es plötzlich Hektik: Aktivität am zweiten Claylick! Nun muss alles schnell gehen – wir hasten zumm Boot und los gehts. Am zweiten Claylick angkommen, ist die Enttäuschung llerdings groß: die Papageien sind schon wieder weg – ein Ara (das sind die großen rot-grünen) hat sie wohl verjagt. Schade, zumal wir hier wirklich dicht am Claylick in einer getarnten Hütte sitzen. Wir beschließen, erst einmal zu warten. Tatsächlich kommt dann der schuldige Ara wenigstens selbst einmal herunter und lässt sich fotografieren. Allerdings bleiben die Papageien auf Dauer fern. Auch als der größere Teil der Gruppen den Schopbesuch nachholt und wir mit einigen wenigen anderen noch bleiben, tut sich nichts. Pech gehabt.

Glück aber haben wir mit dem Wetter, dass prächtig bleibt. Am Nachmittag schwimmen wir im See (sieht aus, als würde man in Tee schwimmen), dann nehmen wir uns ein Kanu und erkunden auf eigene Faust die Kanäle. Da wir keinen Guide mit Zeitplan im Rücken haben ist dieser Teil einer der schönsten Parts des ganzen Trips! Abends geht es dann tatsächlich auf die geplante Krokodilsuche. Die Krokodile im Dunkeln zu finden ist gar nicht so schwer, da ihre Augen den Scheinwerfer des Guides auf weite Entfernungen refektieren. Naja – außer den Augen sieht man auch beim Näherkommen nicht soo viel mehr.

Trotzdem ist der Ausflug schon allein wegen der Nachtgeräusche ein Erlebnis.

Alles in allem hat mit auch der zweite Ausflug in den Dschungel gut gefallen, auch wenn wir inzwischen ja "schon mal da waren". Das Napo Wildlife Center konzentriert die Attraktionen auf engerem Raum – man sieht mehr in kürzerer Zeit als in Manu. Auch fand ich das Ressort noch etwas netter als die Camps in Manu. Dafür fühlte sich der Besuch in Manu aufgrund der längeren Reise und der Aufenthalte in mehreren Lodges "realer" an als Napo. Auf der anderen Seite wiederum wird das Napo-Center von einer echten Regenwald-Community betrieben und alle Erlöse kommen ihr zugute.

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