Chiloe und das patagonische Seengebiet (Teil II)

Um den Tabanos zu entkommen, die das Wandern im Seengebiet zu einer Abwehrschlacht machen, sitzen wir nun im Bus nach Chiloe. Von Puerto Varas nach Ancud soll die Fahrt 2-3 Stunden dauern – inklusive Fährüberfahrt auf die Insel. Chiloe liegt an der südlichen Küste von Chile und soll eine schöne Landschaft, gute Trekkingmöglichkeiten und eine Reihe alter Holzkirchen haben, die als Weltkulturerbe geschützt sind. In Ancud haben wir ein Zimmer im Hostel "13 Lunas" gebucht, dass praktischerweise direkt gegenüber dem Busbahnhof von "Cruz del Sur" liegt. Allerdings sind die besten Zimmer mit eigenem Bad im Keller untergebracht. Das wollen wir eigentlich nicht, können aber vor Ort umbuchen in ein Zimmer ohne Bad, das aber so liegt, dass das nächsstgelegene Gemeinschaftsbad nur von uns benutzt wird. Und wir haben ein Fenster… Das Wetter auf Chiloe ist – völlig im Wiederspruch zu sämtlichen Reiseführern, die vor Dauerregen warnen – super. Strahlender Sonnenschein und Temperaturen über 25 Grad. Am 1. Januar ist im Ort erst einmal nicht viel los – nur ein Restaurant hat geöffnet: das Kurandon. Dort gibt es die örtliche Spezialität: Curando. Das ist ein etwas krude Mischung aus Meeresfrüchten, Kassler und Würstchen mit Kartoffelbrei und nicht gebackenem Brot. Ich würde nicht behaupten, dass man es gegessen haben muss… 

Aber wir sind ja zum Trekking hier. Als ersten Trail haben wir uns eine Wanderung von einem sehr kleinen Ort namens Chepu ausgesucht. Was gar nicht so einfach war, da wir kaum Informationen zu Trekkingrouten im Nationalpark finden. In der Touristeninformation legt man uns geführte Touren nahe und in der Verwaltung der Nationalparks (CONAF) können wir uns nicht einmal verständlich machen. Aber da auch ein anderes paar aus unserem Hostel nach Chepu will können wir eine gemeinsame Fahrgelegenheit organisieren und stehen bald mit unseren Rucksäcken am Ufer des kleinen Flusses, der Chepu teilt. Jetzt müssen wir nur noch übersetzen. Einige Familien des Ortes bieten diesen Service an – natürlich gegen Bezahlung. Für immerhin 20.000 Pesos (ca. 28 €) werden wir auf die Aandere Seite und direkt zu Beginn des Trails gefahren. Leider stellt sich jetzt schon heraus, dass die Tabanos auf Chiloe keinesfalls weniger aktiv sind – in fetten Horden fallen sie über uns her. Nur schnell los – wenn man stehenbleibt wird es noch schlimmer. Ein Ast zum Wedeln hält wenigstens das Gesicht frei. Der Trail an sich ist schön – er verläuft immer in Küstennähe teils im Wald, teils am Strand und teil auf den Klippen. Am Strand sind die Tabanos am wenigsten penetrant. Dort stoßen wir auf ein Schiffswrack, in dessen Windschatten sich eine Herde Kühe niedergelassen hat. Vermutlich auch wegen der geringeren Tabano-Dichte… Nach etwa 6 km erreichen wir den Strand Aluerce, an dem sich eine kleine Pinguinkolonie befindet, die sich gut aus einem Schutzhaus beobachten lässt. Man muss nur etwas aufpassen, damit einem die Flut nicht den Rückweg zum Hauptstrand abschneidet, da sich die Kolonie auf einer Art Strandnase befindet, die einige hundert meter ins Meer ragt. Bei Flut ist die Verbindung zum Land unter Wasser – allerdings kommt man vermutlich immer noch zurück. Nur eben nicht trockenen Fußes.

Nach einem weiteren Kilometer erreichen wir den ersten Campingplatz des Trails, der wunderschön in der nächsten Bucht gelegen ist. Außer dem verwalter und einem Fischer lebt hier niemand. Der Campingplatz ist völlig leer und wir können uns unseren Platz aussuchen. Glücklicherweise sind die Tabanos im Schatten der Bäume sehr viel seltener und verschwinden gegen Abend ganz, so dass wir uns in Ruhe eine Mahlzeit kochen können. Es gefällt uns so gut, dass wir gern einen Tag länger bleiben wollen. Allerdings sind wir ja schon für morgen wieder in Chepu für die Überfahrt verabredet. Was tun? Wir beschließen, den Verwalter zu fragen, ob er per Funk (Telefon gibt es hier nicht) unseren Schiffsführer erreichen kann. Doch auf dem Weg kommen wir an einem kleinen Haus vorbei, in dem ein Chilene mit seiner Familie Urlaub macht. Er spricht nicht nur gut Englisch, sondern kennt auch Jose, den Verwalter länger und bietet sich an, zu übersetzen. Das Funkgerät ist wohl kaputt aber der Fischer muss morgen früh um 6 nach Chepu und verspricht, unsere Terminverschiebung an Alfonso, den Besitzer des Bootes, auszurichten. Damit bleiben uns eine weitere Nacht und ein ganzer Tag an diesem schönen Ort! Am nächsten tag laufen wir ohne großes Gepäck bis zum Ende des Trails und wieder zurück zum Campingplatz. Das letzte Ende des Trails ist ziemlich vernachlässigt, so dass wir froh sind, nicht alles Gepäck bei uns zu haben. Am nächsten Tag (Donnerstag) geht es dann wieder zurück – zusammen mit der chilenischen Familie, die ebenfalls aufbricht. Für die Kinder und das Gepäck nutzen sie Pferde. Eine etwas unangenehme Überraschung wartet allerdings nach etwa zwei Dritteln des Rückwegs auf uns: Ein Mann spricht uns auf Spanisch an und nach einigem Hin und Her stellt sich heraus, dass es sich um Alfonso handelt, der gestern mehrer Stunden auf uns gewartet haben will und die Bezahlung für die Überfahrt verlangt. Wir können uns nicht erklären, was schief gelaufen ist, da wir die Information bekamen, die Nachricht sei übermittelt worden. Am Ende bezahlen wir ihm mit etwas schlechtem Gewissen die Hälfte 10.000 Pesos. Das legt sich allerdings später, als wir erfahren, dass die chilenische Familie für die Überfahrt regulär nur 10.000 bezahlt hat. Touristenpreise.

Als nächsten wollen wir den Süden der Insel erkunden – dort befindet sich ein weiterer Nationalpark (bei Capau) und ein privater Park, der erst neu angelegt wurde und sehr gut ausgestattet sein soll (Tantauco). Prinzipiell kann man wohl auch mit dem Bus dorthin kommen, aber wir mieten uns ein Auto um flexibler zu sein. Leider ist inzwischen das Wetter nicht mehr so schön und als wir in Capau ankommen, hängen drohende Regenwolken am Himmel. Aber wir haben einen nett aussehenden Campingplatz am See gefunden und bauen unser Zelt auf. Wenigstens gibt es hier kaum Tabanos. Mit der nächtlichen Ruhe ist es allerdings auch nicht so weit her. Unsere Nachbarn (eine Familie) entpuppen sich als echte Partychampions, die bis 4 Uhr morgens laut Musik hören und von der nahegelegenen Herberge wehen Gitarrenübungen zu uns herüber. Ab und an testet auch noch jemand außer Sicht- (aber nicht Hör-)weite den Motor seines Stock-Cars… Dann fängt es richtig an zu regnen. Am Morgen ist leider auch der Boden unseres Zeltes total nass – wahrscheinlich ist Wasser zwischen Zeltboden und Unterlage geflossen. Da es am Morgen ziemlich windig ist und die Sonne zumindest abschnittsweise wieder hervorguckt, können wir aber alles recht schnell trocknen. Dann erkunden wir erst einmal den Nationalpark der unter anderem einen netten Lehrpfad zur örtlichen Vegetation, vor allem den xxx-Bäumen. Außerdem finden wir nette Cabanas (Hütten) die man mieten kann. Angesichts des schlechter werdenden Wetters beschließen wir spontan, nach den Preisen zu fragen. Eigentlich sind die Hütten für 6 Personen ausgelegt udn auch entsprechend bepreist. Wir können aber zwei Betten in einer noch nicht belegten Hütte bekommen und der Vorgabe, dass eventuell noch weitere Gäste hinzukommen. Die Hütte ist sehr einfach aber gemütlich und als wir den Holzofen in Betrieb genommen haben wird es auch kuschelig warm. Draußen toben inzwischen Regen und Sturm und wir sind ganz zufrieden, dass wir nicht im Zelt sitzen oder noch auf dem weg sind. Auch den nächsten Tag verbringen wir im Nationalpark in der Hütte und machen kurze Ausflüge. Dann müssen wir allerdings wieder zurück – den Süden Chiloe haben wir somit leider nicht geschafft, aber vielleicht das nächste Mal.

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