Im Torres del Paine

Von Puerto Natales sind es etwa drei Busstunden zum "Torres del Paine", dem bekanntesten Nationalpark Chiles. Die "Torres" sind drei spitze Berge, die eine spektakuläre Ansicht bieten. Sie sind aber nicht die einzigen Highlights des Parks. Normalerweise wird der Park über zwei Treks erschlossen: das "W" führt in 5 Tagen an den interessantesten Stellen vorbei und der "Circuit" umrundet das Gebiet zusätzlich. Dabei ist noch ein recht steiler Pass zu nehmen, der die Aussicht auf einen Göletscher bietet. Normalerweise. Denn durch einen Großbrand, der durch das unachtsame Verbrennen von Toilettenpapier ausgelöst wurde, sind beide Treks nicht zugänglich. Zeitweise sah es so aus, als ob der Park den ganzen Januar geschlossn sein würde und wir gar nicht hinein könnten. Inzwischen ist aber klar, dass der Park geöffnet ist und einige der schönsten Stellen auch offen sind. Um 7:30 Uhr holt uns der Bus zum Park an unserer Unterkunft ab und wir wuchten unsere schweren Rucksäcke in den Laderaum. Gestern hatten wir uns noch letzte Infos zur aktuellen Lage bei einer Infoveransstaltung des Veranstalters "Erratic Rock" abholt und unsere Route beschlossen. Zunächst wollen wir vom westlichen Eingang zum Refugio "Los Guernos" gehen und dort unser Zelt aufschlagen. Dann wollen wir das "French Valley" als Tagestour erkunden, das als eines der schönsten Gebiete des Parks gilt. Dann wollen wir zum Camp "Los Torres", um am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang zu beobachten, wie die Torres in rotes Licht gebadet werden. Danach können wir den Park verlassen oder in den nördlichen Teil gehen. Allerdings ist es durch die Unterbrechung des Circuits eben nicht mehr möglich, die Strecke als Rundwanderweg zu nehmen, sondern wir müssten einen eher langweiligen Teil gleich zweimal laufen. Mal sehen…

Die Busse aus Puerto Natales setzen uns am Parkeingang ab. Bis zur Hosteria Los Torres, an der die Treks starten sind es noch 1,5 km Schotterpiste, die man entweder laufen kann oder – gegen Extrabezahlung natürlich – in einem Kleinbus zurücklegt. Wir entschließen uns für letzteres weil wir keine Lust haben, in den Staubwolken der hin- und herpendelnden Busse zu laufen. Von der Hosteria geht es dann endlich los. Zunächst über ein eher offenes ebenes Gebiet mit wenig Schwierigkeiten (trotzdem ganz schön schwer, diese Rucksäcke…). Irgndwann steht dann die erste Flussüberquerung an. Der Fluss sieht doch ganz schön reißend aus und der Weg von Fels zu Fels erscheint uns etwas riskant. So wechseln wir von Trekkingstiefeln zu den Tefa-Sandalen und machen uns an die "nasse Überquerung". Kein Problem soweit, aber ganz schön kalt – Gletscherwasser. Stundenlang wandern wir am Ufer des xxx-Sees – ein toller Anblick. Gegen Nachmittag nähern wir uns langsam dem Refugio und das Gebiet wird etwas hügeliger. Refugios sind die "zweite Stufe" der Unterbringung und etwa mit Hostels zu vergleichen ("Hosterias" sind quasi die Hotels). Sie verfügen über Dorms und ein Restaurant. Wir aber haben ja unser Zelt dabei und wollen es auch nutzen. Gar nicht so einfach, den bei unserer Ankunft gegen fünf ist der Zeltplatz schon heillos überlaufen. Alle guten und auch alle nicht so gten Plätze sind weg. Mit viel Glück können wir einen Platz ergattern, der grade erst verlassen wird und ziemlich geeignet ist. Später ankommende Trekker müssen zwischen Steinen am Flussufer nächtigen (sehr windig) oder in feuchtem Untergund. Während wir grade am Fluss Wasser für das Abendessen holen, tauchen plötzlich zwei vertraute Gestalten auf der Brücke zum Zeltplatz auf: Ondine und Andrè, die wir auf der Navimag-Fähre kennen gelernt haben, sind auch im Torres und werden im Refugio übernachten. Auf unserem Fleckchen Zeltaufstellfläche sind in der Zwischenzeit noch weitere Gruppen eingetroffen und ein Bruderpaar aus Bayern quetscht gerade sein Zelt noch irgendwie unter die Bäume. Beim Kochen auf dem einzigen Tisch lernt man sich schnell kennen und Dank der guten Spanischkenntnisse des einen Bruders gesellt sich auch noch einer der Angstellten des Refugios hinzu und wir tauschen Erfahrungen und neueste Informationen zu den Trekkingrouten aus. Am nächsten morgen wollen alle in das "French Valley" das gerade erst wieder eröffnet wurde. Normalerweise wird das Valley in einem Tagesausflug vom nächsten Campingplatz (Campo Italiano) aus erschlossen. Der ist allerdings gnauso gesperrt, wie das im Valley liegende Campo Britannico. So bleibt uns nichts anderes übrig, als zuerst zum Campo Italliano zu laufen (5 km), dann zum Campo Britannico (5,5 km), dann zum Ende des Valleys wo sich der Aussichtspunkt befindet (2 km) und dann wieder zurück. Also insgesamt 27 km, zum Teil sehr steil und unwegsam. Wir brauchen für die Strecke am Ende gute 11 Stunden und sind ziemlich erschossen, als wir wieder in Los Guernos eintreffen. Aber es hat sich gelohnt! Die Strecke führt durch sehr unterschiedliche Landschaften, die alle faszinierend sind und der Ausblick vom Aussichtspunkt am Ende ist atemberaubend. Ein 360-Grand-Panorama von spektakulären Berspitzen – fantastisch! Als trotz der nicht unerheblich Mühen lohnt sich der Trip absolut (schöner ist es sicher, wenn man vom Campo Italiano starten kann und somit 10 km weniger zu laufen hat…).

Toll ist es sicher auch, im Campo Britannico zu zelten, aber wie mühsam es ist, hier mit Zelt und allem hochzukommen, möchte ich mir gar nicht vorstellen.

Wir jedenfalls belohnen uns nach der Anstrengung erst einmal mit einem Ruhetag, den wir in der Nähe von Los Guernos auf diversen kleinen Stränden mit Lesen, Musik hören und faulenzen verbringen. Für den vierten Tag im Torres haben wir uns nämlich wieder eine etwas fiesere Strecke vorgenommen. Wir wollen von Los Guernos direkt zum (einzigen kostenlosen) Camp Los Torres laufen. Denn nur von dort ist es (sinnvoll) möglich, die 45 Minuten zum Aussichtspunkt der Torres vor Sonnenaufgang (ca. 5:00 Uhr) zu gehen und diesen zu sehen. Wir wissen nicht genau, wie viele Kilometer es bis zum Camp sind, rechnen aber mit 6 bis 7 Stunden Laufzeit – im Gegensatz zum vorherigen Tagesausflug aber mit vollem Gepäck. 

Wir wollen nicht wieder so spätz auf dem Campingplatz ankommen und starten daher am nächsten Tag möglichts früh. Der Wecker klingelt um sechs und wir velassen das Camp 1,5 h später. Da wir die Strecke zum Teil schon kennen (waren die ganzen Hügel eigentlich auch auf dem Hinweg schon da?) kommen wir gut voran. Am Ende wird es noch einmal ziemlich steil aber um gut sechs Stunden Quälerei kurz zusammenzufassen: gegen zwei Uhr steht das Zelt. Danach haben wir uns erst einmal ein Mittagsschläfchen verdient bevor wir zum ersten Mal zu den Torres aufsteigen. Wir wollen uns die Torres einmal bei Tagslicht ansehen und es ist auch gut, sich den Weg schon einzuprägen, da der Aufstieg morgen vor Einbruch der Dämmerung erfolgt und daher in Dunkelheit (aber wir haben ja die praktischen Stirnlampen). Der Aufstieg ist steil und die letzten paar hundert Meter sind eher Klettern über ein Geröllfeld, dann erreichen wir den Torres und vor uns liegt das bekannte Postkartenmotiv mit den drei Zacken vor einem hellblauen Gletschersee. Hier oben ist es ziemlich kalt und leider ist der Himmel völlig bewölkt. Aber immerhin sehen wir die Torres, was auch nicht immer möglich ist. Wir sind schon auf dem Rückweg als der Himmel aufreist und doch noch Blau erscheint. Ich beschließe, noch einmal umzukehren und bekomme so meine Bilder mit den Torres bei blauem Himmel. Andrea ist inzwischen zum Camp zurückgekehrt und hat auch beschlossen, dass sie morgen nicht mitkommen will. Das Camp Los Torres ist an sich ganz schön, wenn auch sehr einfach (dafür aber auch kostenlos) – nur machen uns winizige Mücken das Leben schwer. Naja, wir wollen auch nicht lang bleiben (aufgrund der aktuellen Überfüllung ist es ohnehin nicht erlaubt, mehr als eine Nacht zu verbringen).

Am nächsten morgen klingelt der Wecker um 4:00 Uhr…

Mein kleiner Rucksack ist gepackt und meine Kleidung habe ich zum Anwärmen in den Schlafsack gesteckt. Gemäß den Tipps, die ich erlalten habe, möchte ich mit wenig Schichten schnell aufsteigen und erst oben mehr anziehen. So vermeide ich es, zu stark zu schwitzen und kann die beim Aufstieg aufgebaute Wärme halten, während ich auf den Sonnenaufgang warte. Ich bin nicht der einzige, der nach oben will – ein kleiner Strom von "Glühwürmchen" schlängelt sich schon den Aufstieg hoch. Das wir auch auch zum Problem für den geplanten Schnellaufstieg – ständig muss ich langsamere Trekker passieren, was bei dem engen Pfad und der der Dunkelheit nicht so einfach ist.

Aber nach 35 Minuten bin ich dann als einer der ersten oben und kann meine kleine Kamera an guter Position befestigen. Ich plane nämlich, alle paar Minuten ein Bild zu machen und so ein Zeitraffer-Video des Sonnenverlaufs auf den Torres zu machen.

Zunächst passiert aber sonnenmäßig erst einmal nicht viel. Es wird nur immer voller und ich muss auf meine Kamera aufpassen, damit sie nicht verrückt wird. Aber das Wetter ist gut und nach anderthalb Stunden Warten zeig sich ein rosa Schimmer auf den beiden höheren Torres, der immer heller wird. Dann ist auch eine klare Kante zu sehen, die über die Felsen wandert. Inzwischen wird es immer leerer – die meisten Trekker haben ihre Bilder gemacht und rücken wieder ab. Am Ende sind nur noch 3, 4 Leute da. Später wird sich das wieder ändern, wenn die Massen der Tagesausflügler aus Campo Chileno und von der Hosteria aufmarschieren. Aber im Moment habe ich die Torres noch (fast) für mich allein und kann in Ruhe den anblick genießen und Bilder machen. Wir haben uns ausgerechnet, dass wir vom Camp gegen 10 Uhr aufbrechen müssen um ohne Hast zum Sammelpunkt für die Busse zu kommen. Also packe ich um 8 Uhr meine Sachen und mache mich auf den Rückweg – inzwischen sind auch Akkus für beide Kameras nahezu leer. Die heutige Tagestour zurück zur Hosteria verläuft tatsächlich ziemlich entspannt – es geht auch größtenteils nur noch abwärts und wir können gelassen den Tagestouristen entgegenblicken, die sich inzwischen den Weg hinaufquälen. Das haben wir jetzt hinter uns!

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