Hoch oben auf dem Kepler Track

Der zweite „Great Walk“, den wir uns vorgenommen haben, ist der Kepler-Track. Mit gut 60 km ist er noch einmal fast ein Drittel länger als der Milford-Track und führt in alpines Terrain. Die Wettervorhersage ist für die beiden ersten Tage günstig, danach soll es wieder schlechter werden.

Tag 1

Der erste Tag steht im Zeichen des Aufstiegs. Von Te Anau sind es nur 20 Minuten mit dem TrackNet-Bus zum Startpunkt, dem Keppler Car Park. Das Wetter ist toll und wir machen uns auf den Weg. Zunächst führt der Track am See entlang bis zu einem kleinen Zeltplatz – auch gut für ein Bad geeignet. Wir wollen aber weiter, denn uns steht noch der Aufstieg zur 1000 m hoch gelegenen Luxmore Hut bevor. Der Weg führt dann auch bald durch dichten Wald mehr oder weniger steil aufwärts. Ganz schön anstrengend – auch wenn die Bäume Schatten vor der prallen Sonne bieten. Langsam ändert sich die Vegetation – die Bäume werden kleiner und sind mit „Lametta“ aus Flechten bedeckt. Nach etwa vier stunden erreichen wir die Baumgrenze, an der der Wald dann auch schlagartig endet. Wie uns später der Ranger erläutert, liegt das an der Temperatur, die den Bäumen zu niedrig wird. Nun führt der Weg über steppenartiges Land, dass mit Büschen und Moosen bedeckt ist. Der Ausblick über die Täler ist beeindruckend. Nach etwa sechseinhalb Stunden erreichen wir die Luxmore Hut, mit 54 Betten eine der größten Hütten, die wir besuchen werden. Geschlafen wird in zwei großen Bunkrooms. Noch ist es jedoch sonninger Nachmittag und es gilt, eine der Nähe befindliche Höhle zu erkunden (zwei Lampen pro Person empfohlen). Die Höhle ist ziemlich spannend und mit faszinierenden Stalagmiten und Stalagtiten versehen. Um dahin zu kommen, müssen wir uns allerdings tief ducken und durch enge Felsspalten quetschen. Nach 30 Minuten kommen wir an einen knapp einen Meter breiten Durchgang, den man durchkriechen müsste und beschließen, die Erkundung hier zu beenden. In der Hütte sehen wir später einen Plan der Höhlen und stellen fest, dass wir gerade einmal 10% der zugänglichen Bereiche gesehen haben… Aber auch von den anderen Gästen ist keiner weiter gegangen.

Vor der Hütte haben sich inzwischen Keas eingefunden, die neugierigen alpinen Papageien Neuseelands. Vor ihnen ist kein Ausrüstungsstück sicher, dass unbeaufsichtig herumliegt. Alles was in Reichweite ihres Schnabels kommt, wird „untersucht“ – von Menschen lassen sie sich dabei kaum stören. Wir könnten den lustigen Vögeln stundenlang zusehen aber auch der Ranger der Hütte, Pat, hat einiges über die Flora und Fauna zu berichten. Die Nacht ist eher ungemütlich, da im großen Bunkroom die Luft ziemlich stickig ist und immer irgend jemand am Schnarchen ist.

Tag 2
Am nächten Morgen stehen wir (einigemaßen) zügig auf und nach dem übliuchen Frühstück (Müsli mit Trockenmilch) geht es weiter. Ich hatte ganz vergessen, dass es von der Hütte doch noch gut 400 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt des Tracks sind – also erst einmal wieder Aufstieg. Zum Gipfel des Mt. Luxmore (1472m) geht ein Seitenweg ab, so dass wir die Rucksäcke an der Gabelung lassen und die letzten Meter zum Gipfel unbelastet zurücklegen könnnen. Die Landschaft ist die Mühen des Aufstiegs jedenfalls Wert: schroffe Gipfel, tiefe Täler und der Weg direkt auf dem Grat zwischen den Gipfeln mit fantastischen Ausblicken bei allerbestem Wetter! Da ist der Regen des Milford-Tracks schnell vergessen! Kurz vor dem Abstieg ist Tal begegne wir noch einer über 40-köpfigen Gruppe von US-amerikanischen Studenten, die schon leicht geschafft von der Hütte kommen, die unser Ziel ist. Während wir allerdings gemütliche anderhalb Stunden Abstieg vor uns haben, steht ihnen noch ein hartes Stück Weg bevor. An der Iris Burn Hut angekommen, sind wir diesmal eine der ersten Gruppen und können uns ein Bett aussuchen. Danach geht es zum nahegelegenen Wasserfall für ein (kurzes) Bad im Gletscherwasser. Nicht gerade warm aber sehr erfrischend! Der Ranger der Hütte erklärt uns in einer lustigen Ansprache, warum das Toilettensystem so sensibel ist und weist darauf hin, dass es in der Nähe der Hütte die seltenen blauen Enten, Kiwis und ein Glühwurm-„Grab“ gibt. Die Enten können wir dann später am Fluss auch sehen – tatsächlich haben sie ein blaues Gefieder!

In der Nacht stehe ich noch einmal auf um endlich einmal die Glühwürmer zu sehen. Kiwis kann ich aber keine entdecken.

Tag 3 & 4
Der dritte Tag ist nicht so anspruchsvoll – 16,5 km durch eher flaches Waldgebiet. Außerdem ist Regen angesagt (wieder einmal). Der bleibt freundlicherweise aus und so kommen wir gut voran und erreichen nach etwa fünfeinhalb Stunden die letzte Hütte ( Hut). Sie ist wunderschön am Strand des Lake Manapouri gelegen und obwohl es nur noch sechs Kilometer bis zum Ausstiegspunkt des Tracks ist, lohnt sich eine Übernachtung. Da das Wetter besser als prognostiziert ist, können wir auch noch einmal baden und verbringen den Rest des Tages am Strand.
Tag vier bringt „endlich“ den versprochenen Regen – wir haben allerdings bis zu unserer Busverbindung noch viel Zeit schlafen einmal etwas länger. Während wir um 11 Uhr dann frühstücken, treffen schon die ersten Wanderer von der vorherigen Hütte ein. Sie sind um 5:45 Uhr aufgestanden und haben schon über fünf Stunden Wg hinter sich. Von ihnen erfahren wir auch, dass die amerikanischen Studenten sicher aber ziemlich erschöpft und durstig auf der Luxmore Hut angekommen waren. Bevor wir dann aufbrechen, beobachten wir noch mit Verwunderung und etwas Sorge, wie sich eine neuseeländische Familie zum Aufstieg (in Gegenrichtung unterwegs) bereit macht. Mit Unmengen Geschirr und Dosen(!-)Nahrung bepackt, sehen sie für uns völlig überladen aus und haben schon nach dem ersten (leichten) Tag einige Pflaster an sich kleben. Das werden wohl zwei harte Tage für sie…

Für uns endet der Keppler-Track nach zwei leichten Stunden am Rainbow Reach Parkplatz und wir fahren mit TrackNet wieder nach Te Anau und von da weiter nach Queenstown. Hier soll ich eigentlich mein Geburtstagsgeschenk, die Balonfahrt, einlösen, aber der Wetterbericht sieht ziemlich ungünstig aus. 🙁 Wir werden sehen…

Ein Gedanke zu „Hoch oben auf dem Kepler Track

  1. Wir haben mit Begeisterung Euere Berichte gelesen und die tolle Landschaft angeschaut,und wir bewundern Euere Energie und Euer Durchhaltevermögen.
    Viel Freude beim Weiterklettern. Paßt gut auf Euch auf.
    Liebe Grüße Erika und Jörg.

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