Zu Wasser und zu Lande auf dem Abel Tasman Track

Unser letztes Ziel ist der Abel Tasman National Park, wo wir den Costal Track wandern werden. Der Track verläuft über 60 km entlang der nördlichen Küste der Südinsel Neuseelands – wir haben 5 Tage eingeplant. Vorher wollen wir noch einen Teil des Parks per Kajak erkunden. Das Wetter ist in dieser Gegend eher subtropisch und der Wetterbericht verspricht für die nächste Woche konstant Sonnenschein. Gut, da wir diesmal wieder Zelten wollen.

Unsere Kayaktour besteht aus einem geführten Tag – Ziel: das Meeresreservat bei der kleinen Insel Tonga. Hier soll es eine Seehundkolonie geben und auch auch Pinguine. Von Marahau starten wir zunächst mit dem Wassertaxi, das uns zum Startpunkt Onetahuti bringt, wo unsere Kayaks auf uns warten. Nach einer kurzen Einführung geht es los nach Tonga. Leider machen sich die Seehunde ziemlich rar – nur einzelne liegen ziemlich träge auf den Felsen herum. Von schwimmenden Tieren ist nichts zu sehen. Auch auf die im Prospekt des Anbieters abgebildeten Szenen, in denen sich Seehunde auf die Kayaks setzen, warten wir vergebens. Aber dafür ist bestes Wetter und bei einer kleinen Pause können wir im überraschend warmen Ozean schwimmen! Am Ende des ersten Tages erreichen wir die Anchorage Bucht, wo wir am Strand zeltend die Nacht verbringen (nicht ganz so romantisch wie es klingt – es ist schon ein recht großer Zeltplatz). Am nächsten Morgen ist es bedeckt und ziemlich windig. Etwas nervös denken wir an die Ausführungen unseres Kayak-Guides zurück, der uns erklärt hat, wie wir ein gekentertes Kayak wieder aufrichten und auspumpen…
Dann geht es los. In der Bucht selbst ist das Wasser noch ruhig. Als erste müssen wir dann aber eine felsige Landzunge umrunden, die den vielversprechenden Namen „Mad Mile“ trägt. Und tatsächlich herrscht hier ein ganz anderer Seegang – die Wellen sind so hoch, dass wir das (einzige in Sichtweite befindliche) andere Kajak auf dem Wasser zwischendurch gar nicht mehr sehen können. Jetzt nur nicht querschlagen – was nicht so einfach ist, da wir eigentlich einen Kurs genau parallel zu den Wellen steuern müssen. Die ideale Lage, um gedreht zu werden. Also „kreuzen“ immer leicht schräg zu den Wellen, was permanentes Wenden zwischen zwei Wellenkämmen bedeutet. Nach eine dreiviertel Stunde ist es dann geschafft und wir kommen in den Schatten von Adele Island; sofort wird der Seegang erträglicher. Jetzt erst einmal landen für eine Pause. Auch gar nicht so einfach, ohne von den Wellen noch am Strand umgeworfen zu werden. Aber auch das gelingt so mehr oder weinger und wir beenden den Trip gegen Nachmittag unbeschädigt.

Eine Übernachtung haben wir noch im Kaanuka Backpacker, der sehr idyllisch zwischen den gleichnamigen Bäumen gelegen ist dann geht es auf den Track. Wetter: perfekt und wir treffenauch noch ein deutsches Paar, das uns zum Trailstart mitnimmt (so sparen wir immerhin 3-4 km Straßenwandern). Der Abel Tasman Nationalpark ist einer der zugänglichsten Parks. Er ist per Auto an mehreren Stellen gut erreichbar und mit den Wassertaxis und größeren Booten lassen sich viele der Strände ohne große Mühe erreichen. Das merkt man auch an den Besucherzahlen. Während wir auf dem Heaphy-Track weitgehend allein gewandert sind, treffen wir in den ersten Tagen eigentlich ständig auf andere Menschen, meist Tagesausflügler (wir nennen sie „Daywalker“). Um dem Trubel etwas zu entgehen, haben wir eher kleinere Campingplätze gewählt, auch wenn diese meist kein Trinkwasser haben (wir müssen dann von der nächtgelegenen Quelle ausreichend Wasser mitnehmen oder es abkochen). Dafür zelten wir direkt am Starnd und werden vom Sonnenaufgang geweckt.

Der Weg an sich ist nicht so anspruchsvoll und als solcher auch – im Vergleich zu anderen Tracks, die wir kennen gelernt haben – etwas öde. Die Highlights des Abel Tasman sind eindeutig die Strände: strahlend blaues, warmes Wasser und feiner weißer Sand. Am zweiten Tag machen wir dann auch reichlich Pausen zum relaxen und schwimmen. Dadurch zieht sich der Weg doch ziemlich und wir campen in Abweichung zu unserem Plan in Bark Bay, auf einem der größten Campingplätze. Der ist allerdings sehr schön auf einer kleinen Landzunge zwischen Meer und einer Lagune gelegen und hat sowohl Morgen- als auch Abendsonne! Nach dem Sonnenaufgang heisst es zügig los, da wir die eingesparte Strecke vom Vortag wieder aufholen müssen. Eigentlich haben wir es heute nicht so weit, da wir im nächsten Abschnitt eine Bucht queren müssen, die nur drei Stunden täglich passierbar ist. Als wir dann in Awaroa ankommen, ist es gerade Ebbe (Querung möglich) und der Campingplatz ziemlich hässlich. Hier sollen wir 24 h ausharren? Kurzentschlossen entscheiden wir, die Überquerung heute noch durchzuführen und zu hoffen, dass auf der folgenden Campsite noch Platz für uns ist (eigentlich sind die Buchungen an bestimmte Sites gebunden). Tatsächlich haben wir Glück und finden auf Waiharakeke noch Platz. Hier rentiert sich unsere Erfahrung, unser Essen immer sicher aufzuhängen – die Campsite hat eine Stammbesatzung von einigen Possums. Diese eigentlich ziemlich niedlichen Tiere sind in Neuseeland der „Staatsfeind Nummer 1“. Eingeschleppt aus Australien machen sie sich über die einheimische Vogelwelt her – wenn sie nicht gerade das Essen oder den Müll unachtsamer Camper bevorzugen. Wie mit den Possums unzugehen ist, ist ein hochkritische Frage. Das DOC (Department of Conservation) lässt ganze Landstriche aus der Luft mit „1080“, Giftködern, bestreuen um die Possumpopulation einzudämmen. Was von den einen als notwendige und erfolgreiche Maßnahme betrachtet wird, sehen andere als nutzlose Vegiftung der Landschaft an. Auf unserer Campsite sorgen die Possums erst einmal für einige nächtliche Aufregung bei einer Gruppe jüngerer Camper und am nächsten Morgen haben sie überall ihre Spuren hinterlassen. Unsere Vorräte bleiben glücklicherweise unangetastet und es geht weiter zu unserer letzten Campsite an der Anapai-Bucht. Das ist wirklich der schönste Platz, an dem wir übernachtet haben und da wir früh dran sind, können wir uns den Platz für unser Zelt aussuchen. Hier gibt es auch keine Possums, nur einen vorwitzgen Weka, dem ich gerade noch meine letzte Tagesration wieder abjagen kann, die er schon im Schnabel davonträgt. Dafür lassen sich hier Kormorane und Austernfischer beobachten und fotografieren und der sternenklare Nachthimmel ist auch ein Erlebnis.

Dann bricht auch schon unser letzter Track-Tag an, an dem wir noch einmal einiges vorhaben. Neben der größten Anhöhe des Trails gibt es noch einen Sitetrack zum „Separation Point“, der äußersten nord-westlichen Landspitze der Südinsel. Auch hier sind Seehunde zu erwarten. Und tatsächlich: im Gegensatz zu Tonga können wir Seehunde mit Jungen aus nächster Nähe beobachten und fotografieren. Auch eine „Kolonie“ aus Plastiktölpeln nebst Gekreische vom Band befindet sich hier (kein Scherz – damit sollen echte Vögel angelockt werden). Der kommende Teil des Tracks bietet keine größeren Überraschungen, die letzte Hütte (Wharinwarangi) ist ausgesprochen schön und verfügt sogar über eine Dusche (das gab es sonst nirgendwo). Wir sind versucht, das noch auszunutzen, aber da wir nur noch 1,5 h zu wandern haben, verzichten wir und schließen den Track am frühen Nachmittag ab.

Insgesamt habe ich einen gemischten Eindruck vom Abel Tasman Coasttrack bekommen: die Buchten sind wunderschön und sie zu Fuß oder per Kayak zu erkunden, macht viel Spaß. Auch einige der Campsites sind einen Besuch Wert – andere eher nicht (Totaranui z.B.). Insgesamt sind uns beiden aber viel zu viele Menschen unterwegs. Es gibt keinen Teil des Tracks, der nicht entweder direkt per Auto oder Wassertaxi oder im Rahmen einer Tageswanderung erreichbar ist und das merkt man. Uns sind die weniger zugänglichen Tracks doch lieber, bei denen wir mit der Natur allein sind und/oder die auch ein klein wenig anspruchsvoller zu begehen sind.

Am Ende des Tracks liegt die Wainui Bay, wo wir nochh einmal zwei Nächte im „Housetruck“ des Golden Bay Retreats gebucht haben. Der Besitzer hat (nach Anregungen aus Deutschland) außerdem mit dem „Little Greenie“ und dem „Kiwi Greenie“ zwei energieoptimierte Ferienwohnungen erbaut, die so beispielhaft sind, dass sie Teil einer Ausbildungsreihe für energetisch interessierte Tischler sind und vom Staat gefördert werden.

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